Vergleiche zwischen Zentren - Qualitätswettbewerb

Im Rahmen der vom IHF durchgeführten Registerstudien ist die Qualität der medizinischen Versorgung und deren Verbesserung ein zentrales Anliegen. Dies wird unter anderem dadurch erreicht, dass den teilnehmenden Zentren ein Feedback über Charakteristik, Behandlung, Komplikationen und Langzeitverlauf ihrer Patienten im Vergleich zu allen anderen Zentren gegeben wird. Aussagen über die Qualität der Versorgung sind auch damit jedoch nicht unmittelbar möglich, da höhere Komplikationsraten auch die Konsequenz aus der Behandlung „kränkerer“ Patienten sein können. Im CYPHER-Register wurden zwischen 2002 und 2005 über 12.000 Patienten eingeschlossen, die einen speziellen Medikamenten-freisetzenden Stent implantiert bekommen haben. In den untersuchten Zentren reichte der Anteil der Patienten mit einem (ST-Hebungs-) Herzinfarkt (STEMI) als besonders schweres Krankheitsbild von 0 bis 37% (Abbildung 6).

Anteil der Patienten mit ST-Streckenhebungsinfarkt (STEMI) bei Aufnahme (Cypher-Register)
Abbildung 6: Anteil der Patienten mit ST-Streckenhebungsinfarkt (STEMI) bei Aufnahme (Cypher-Register)

Die Komplikationsraten der einzelnen Zentren (hier Tod oder Herzinfarkt innerhalb von 6 Monaten) lag zwischen 0 und 12% (Abbildung 7).

Komplikationsraten (Cypher-Register)
Abbildung 7: Komplikationsraten (Cypher-Register)

Um die Versorgungsqualität eines Zentrums „fair“ zu überprüfen, wurde für jeden der 12.000 Patienten mittels mathematisch-statistischer Methoden die Wahrscheinlichkeit berechnet, mit der innerhalb von 6 Monaten nach Stentimplantation ein Ereignis auftritt. Beispielsweise hat ein 50-jähriger Mann mit stabiler Angina pectoris ohne weitere Risikofaktoren ein 1%-iges Risiko für Tod oder Herzinfarkt, die 80-jährige Frau mit früherem Infarkt und kardiogenem Schock dagegen ein fast 50%-iges für Tod oder Infarkt. Diese individuellen Risiken wurden dann über alle Patienten eines Zentrums aufaddiert und sind die erwartete Ereignisrate (als Maßzahl für die Erkrankungsschwere der behandelten Patienten). Die tatsächlichen Ereignisrate wurde dann mit der erwarteten Ereignisrate ins Verhältnis gesetzt und es resultiert die sogenannte SER (Standardized Event Ratio). Ist die SER eines Zentrums größer 1, so  spricht das für eine schlechtere Versorgungsqualität (mehr Komplikationen als bei der Schwere der behandelten Patienten zu erwarten) als der Durchschnitt; eine SER kleiner als 1 deutet auf eine gute Versorgungsqualität hin (Abbildung 8).

Beobachtete und erwartete Komplikationsraten in Zentren
Abbildung 8: Beobachtete und erwartete Komplikationsraten in Zentren

Durch die Etablierung von „fairen“ Vergleichen der Versorgungsqualität soll in der Kardiologie die Akzeptanz für solche Vergleiche geschaffen bzw. verbessert werden.

 
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